mit arbeitslohs! Was hilft, wenn man einfach keine Arbeit (mehr) findet, obwohl man gut qualifiziert ist? Distanz schaffen, drüber reden & gemeinsamer Support! Darum gehts…
Wieso machst du nicht einfach…?
Alle, die arbeitslos sind, kennen das gut gemeinte, aber unmögliche „Wieso machst du nicht einfach…?“ aus dem Bekanntenkreis, die Tipps von Mama („Meine Freundin macht jetzt eine Ausbildung zur Speakerin!“) oder den hyper-optimistischen HR-Sprech, der gerade im Hinblick auf unsere Zukunft mit KI gerade grassiert. „Du musst nur…, dann…!“
Es gibt jede Menge Ratschläge auf allen Kanälen, wie man aus der Arbeitslosigkeit wieder rauskommt, von Ratgeberliteratur bis Reel.
Es gibt die meritokratische Erzählung von Fleiß und Verdienst (wenn du x machst, kriegts du y!), die gerade von der sich verschärfenden strukturellen Situation auf dem Arbeitsmarkt ad absurdum geführt wird (und die seit jeher eh Käse ist, weil einfach Glück dazu gehört, dass man beruflich machen kann, was man sich wünscht, ein Stichwort: Bildungsgerechtigkeit).
Und es gibt so gut wie keine Ratschläge dazu, wie ich mit der belastenden Situation, arbeitslos zu sein, umgehen kann. Wie meistere ich einen Marathon, von dem ich nicht weiß, wie lange ich rennen muss? Ob es mein Ziel überhaupt noch gibt?
Und wenn ich nix machen kann?!
Mittlerweilen posten sogar die Betreibenden von Jobbörsen wie kultweet.de in den sozialen Medien Tröstendes wie „Es liegt nicht an dir! Es liegt am Arbeitsmarkt!“ Aus strukturellen, politischen und wirtschaftlichen Gründen verschärft sich die Stellensituation seit 2025 derart, dass darüber immer öfter berichtet wird, und es ist bis auf Weiteres keine Entspannung in Sicht.
Es gibt immer weniger oder gar keine Stellen mehr, auf die ihr euch mit eurer Qualifizierung momentan überhaupt bewerben könnt. In breiten Bereichen sind Einstellungsstopps und Sparzwänge verhängt. Das Höchste der Gefühle sind immer öfter mies bezahlte, befristete geförderte Projektstellen, auf die sich hunderte Interessierte bewerben, die topqualifiziert und berufserfahren sind. Die Konkurrenz ist haushoch, die Chancen auf eine Jobzusage (irgendeine!) dementsprechend mau.
Besonders trifft es Bewerbende, die zusammen mit hoher Motivation und aktuellem Wissen keine passende Berufserfahrung mitbringen, haben kaum eine Chance. Hier ist gerade viel die Rede von KI, die die „einfachen“ Einstiegsaufgaben übernähme. Es ist aber auch einfach so, dass die unterbesetzten, also überarbeiteten Teams einfach keine Zeit haben, Neue einzuarbeiten.
Wenn dann auch noch die persönliche Situation (GdB, Kinder, Krankheit, Pflege, Schicksalsschläge, usw.) dazu führt, dass man dem Arbeitsmarkt nicht zu hundert Prozent zur Verfügung stehen, d. h. sich nicht „unkompliziert“ auf alle möglichen Bedingungen einlassen kann, verschärft sich die Lage noch mehr.
Das heißt nicht, dass es keinen Bedarf an eurer Arbeit gibt!
Die überlasteten Teams wünschen sich dringend Unterstützung. Stellen werden nur nicht finanziert und im Zweifel ganz gestrichen. Das ist besonders in den vermeintlich verzichtbaren Felder so, wie in den diskursiven Wissenschaften und im Kunst- und Kulturbereich.
Was also tun?
… wann sind wir endlich da?
Wer länger arbeitslos ist, kennt die abwechselnden Phasen von Hoffnung (coole Stelle!) und Verzeiflung (die xte Absage), die auf Dauer kognitiv und emotional extrem anstrengend werden. Statistisch nachweisbar ist der Zusammenhang von anhaltender Arbeitslosigkeit und psychischen Problemen wie Angstörungen und Depressionen. Erforscht ist, dass die psychische Belastung in der ersten Phase der Arbeitslosigkeit immer mehr steigt und sich dann auf einem Belastungsniveau einpendelt. Erst nach sehr langer Arbeitslosigkeit wirds nochmal schlimmer.
Unangenehme Gefühle wie Scham, Ohnmacht und Verzweiflung, die ewige Warterei auf Emails und Perspektiven, und allerlei Beschwerden, die sich mit der Zeit einstellen wie schlechter Schlaf, unangenehme Träume, Zähneknirschen und Rücken- und Kopfschmerzen, gehen nicht einfach weg.
Es gibt die guten Dafür-kann-ich-Montagvormittag-ins-Schwimmbad-gehen!-Tage und die miesen Tage, an denen man heult und ES EINFACH NICHT MEHR AUSHALTEN KANN!
Und das ist so verständlich! Arbeitslosigkeit torpediert unser Bedürfnis nach Planbarkeit und Kontrolle („Ich habe Einfluss auf mein Leben und weiß im Groben und Ganzen, was ich in sechs Monaten mache“). Arbeitslosigkeit untergräbt unsere sozialen Bedürfnisse nach Anerkennung und Zugehörigkeit („Ich bin ok und gehöre dazu!“). Arbeitslosigkeit macht jede Menge Druck – von außen („wie finanziere ich mein oder unser Leben?“) und von innen („Was bin ich wert?“).
Am Ende steht die große Frage nach dem Sinn: Was will ich von meinem Leben und wie gestalte ich meine Zukunft?
Kleine Schritte, Tag für Tag!
Ich nutze diesen Blog, um mich zu trösten und mir Mut zu machen. Ich schreibe mir eine Anleitung zu einem Umgang mit Arbeitslosigkeit, der mich handlungsfähig und optimistisch bleiben lässt. Als Wissenschaflerin hilft mir mit arbeitslohs die analytische Distanz zu diesem großen Schreckgespenst, das mich Tag für Tag triezt und zu selten einfach mal die Klappe hält!
Zum Ende eine Geschichte.
Im Mittelalter gabs den Karneval, der die Machtverhältnisse einfach auf den Kopf stellte. Jetzt waren die Untertanen die Herrscher. Bunt und grotesk verkleidet, machten sie sich lauthals über den König und den Tod lustig. So konnten sie ihre Verzweiflung, Angst und Not erst aushalten: Sie nahmen ihnen den Schrecken – und lachten!
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